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„Soll ich Ihnen mal die PIN dieses netten Herren verraten?“

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Hören Sie bitte auf, dazwischen zu denken!

Der letzte Künstler des Abends war Mentalmagier Goran Dujic. Auch er war bereits im vergangenen Monat beim ZauberWerk dabei. Sein Erkennungsmerkmal ist unbestreitbar: Er liest aus den Köpfen seiner Zuschauer wie andere aus Texten.

„Hören Sie bitte auf, dazwischen zu denken!“

Ob er als Aufwärmübung den Namen des Lieblingsortes aus den Gedanken einiger Zuschauer liest oder den Wert einer zufällig durch Riffeln gefundenen Karte nennt; man kann nur tief beeindruckt sein von allem, was der Künstler offenbar über sein Publikum weiß. Denn eine weitere Charakteristik von Goran: Er liest bei weitem nicht nur das, was er ankündigt. So gab er zum Beispiel ein Kartenspiel, das von einem Gummiband zusammengehalten wurde, ins Publikum. Fünf Zuschauer sollten sich eine der Karten durch Aufklappen aussuchen und merken und sich dann hinstellen. Aus diesem Wust an Gedanken las der Zauberkünstler drei Karten korrekt heraus, und bat die Zuschauer, auf die diese Karten passten, sich zu setzen. Die Informationen, die auf die verbliebenen beiden Zuschauer zutrafen, hatten zwar nichts mehr mit dem Karten zu tun, stimmten aber trotzdem auf den Punkt; zur großen Erheiterung des Publikums.

Einem weiteren Zuschauer, den der Mentalmagier zu sich auf die Bühne holte, übergab er ein Buch und bat ihn, sich ein langes Hauptwort daraus zu merken. Aus einem weiteren Buch ließ der Zauberkünstler von einem Zuschauer im Zuschauerraum durch Zufall ebenfalls ein Wort wählen. Erst einzelne Buchstaben, dann die gesamten Wörter las er aus den Köpfen der Zuschauer mit verblüffender Präzision – und leichter Verwirrung, weil beide Beteiligten zeitgleich in seine Richtung dachten.

Auch eine (ausgedachte) PIN-Nummer konnte er problemlos erraten. Wobei raten bei der Beschreibung von Gorans Magie auf der Bühne nicht zutreffend wäre. Vielmehr liest er in den Gedanken der Zuschauer wie in Tagebüchern; ob Geburtstag, Namen von Haustieren, selbst die Farbe der Unterwäsche – dem Mentalisten scheint überhaupt nichts verborgen zu bleiben.

Dass diese Fähigkeit noch über das Abstraktum von Worten und Zahlen hinausgeht, bewies er mit seinem letzten Kunststück. Einige Zuschauer hatte Goran vor der Show gebeten, auf farbige Zettel entweder ein Wort, eine Zahl oder aber eine Zeichnung zu schreiben bzw. zu malen. Diese sammelte er jetzt ein, dazu drei Zuschauer, die ihn auf die Bühne begleiteten, und ließ drei dieser Zettel ziehen. Zahl und Wort las er wie zuvor ohne Probleme. Für das Entziffern der Zeichnung stellte er sich mit der Zuschauerin Rücken an Rücken und ließ sich von ihr mental die Hand mit dem Stift führen. Das Ergebnis war erstaunlich, denn die doch komplexen Zeichnungen stimmten überein.

Ein “Händchen” für Situationen

Da ich Goran wie bereits erwähnt zum zweiten Mal auf der Bühne des Theater im Walzwerk erleben durfte, hatte ich Gelegenheit, mich auch abseits seiner Magie mit der Präsentation und dem Drumherum seines Auftritts zu beschäftigen. Dabei ist mir eines aufgefallen, was leider oft unter der Fülle an Eindrücken verloren geht, wenn man einen Zauberkünstler erstmalig live erlebt, und was daher leider oft unerwähnt bleibt: Goran braucht zwar offenbar einen Moment, um sich an eine „neue“ Bühnensituation zu gewöhnen. Aber: Sein Auftritt steckt voller kleiner schöner Details, die so passend sind, dass man sie fast übersehen könnte. So zum Beispiel die Art, wie er spricht. Mentalmagie ist, wie der Oberhausener auch im Gespräch nach der Show eröffnete, eine heikle Sache. Viele seiner Kollegen nähmen sich und ihre Form der Kunst allzu ernst, was den Unterhaltungsfaktor maßgeblich trüben könne. Goran jedoch schafft es nur durch seinen Tonfall und seine Mimik, die Stimmung des Publikums zu „steuern“. Wird seine Stimme langsam, bedächtiger, wird das Publikum ruhiger und konzentriert; wenn er lacht, lacht auch das Publikum und wird ausgelassener. Selbst die Musik, die in seiner Show eigentlich keine maßgebliche Rolle spielt, beeinflusst die Atmosphäre sehr. Sie schwankt zwischen Ruhe, einer gewissen Form von Wohltat, und Spannung; je nachdem, was der Zauberkünstler erzielen möchte. Eine solche positive Form der Beeinflussung, und vor allem das Händchen, das Goran dafür hat, liegt wohl leider nicht allen seinen Kollegen der Mentalmagie so sehr wie ihm. Was sehr schade ist, denn diese Form der Zauberkunst braucht einen solchen Ausgleich im Gegensatz zu der Flut an Worten, die oft für die Präsentation nötig sind. Das Ergebnis: Obwohl Goran im Nachhinein ungefähr alles über sein Publikum weiß und das auch preisgibt, fühlt man sich nicht etwa „gedanklich entkleidet“, sondern unterhalten und als Teil eines großen mentalen Experiments, und man möchte nichts anderes als über das Staunen, was der Mentalist auf der Bühne leistet.

Leider findet man auf der Webseite dieses Künstlers, gd-magie.de, keine öffentlichen Termine; dennoch lohnt es sich, nach einem seiner Auftritte Ausschau zu halten.